Neue Perspektiven

Für spektakuläre Fotos nehmen wir so einiges auf uns. Wir kriechen im Dreck, steigen auf Leitern oder die höchsten Dächer. Doch trotz aller Anstrengungen bleiben wir dabei eingeschränkt. Die Leiter ist irgendwann zu Ende, vom Dach fallen wollen wir auch nicht. Wir können halt nicht fliegen.

 

Selfie mit Drohne.

Und dann kam der Wind ...

Müssen wir auch nicht. Heute gibt es schließlich für alles irgendwelche Hilfsmittel (mein Handy misst sogar meinen Puls), der technische Fortschritt hebelt auch die nervigsten Naturgesetze aus. Natürlich können wir selbst (noch!) nicht abheben, aber am Steuer einer Drohne fühlt es sich zumindest so an.

Moment mal?! Drohnen? Sind das nicht diese superkomplizierten und überteuerten Dinger, die nur für das Militär, Amazon und Modellflugenthusiasten interessant sind? Nein, nicht mehr. In den vergangenen Jahren wurden die Drohnen kompakter, günstiger und vor allem einfacher im handling. Die Hersteller produzieren längst auch für den Massenmarkt.


Auch wir haben uns also einen Multicopter – so der Fachbegriff für Drohnen – zugelegt. Genauer: Eine Phantom 3 Advanced des Herstellers DJI. An diesem Modell kann man sehr schön sehen, wie sehr die Geräte mittlerweile auf „Jedermann“ zugeschnitten sind: Dank GPS-Unterstützung und verschiedener ausgeklügelter Sicherungssysteme ist es schon verdammt schwierig, damit überhaupt einen Unfall zu bauen. Hinzu kommt das geniale Steuerungssystem: Das eigene Tablet wird zum Cockpit, über das man verschiedene Einstellungen vornehmen und das Livebild der (Full HD-)Kamera betrachten kann. Gesteuert wird mit einer Dual-Stick-Fernbedienung, die ältere Semester von ferngesteuerten Flugzeugen und jüngere Leser von der Playstation kennen.

Nun haben wir also eine Drohne – und damit auch ein kleines Problem: Wir sind in Deutschland. Es hätte zwar viel schlimmer kommen können, aber hierzulande geht bekanntlich nichts ohne Genehmigung. Um die Drohne gewerblich zu nutzen, brauchen wir eine „Allgemeine Aufstiegserlaubnis“ des Bundeslandes, in dem wir fliegen wollen. Heißt: Seid ihr bundesweit aktiv, braucht ihr 16 dieser Erlaubnisse. Und in vielen Fällen noch eine besondere Genehmigung, wenn ihr zum Beispiel bei großen Veranstaltungen oder in Wohngebieten seid. Um eine Aufstiegserlaubnis zu erhalten, müsst ihr wiederum einen Befähigungsnachweis vorlegen. Die notwendigen Lehrgänge gibt’s bei verschiedenen Anbietern, darunter U-Rob in Bielefeld. Und genau dahin sind Lars und ich gefahren, um die ersten Drohnenpiloten in der AD-HOC-Geschichte zu werden.


Der Lehrgang besteht aus zwei Teilen. In der Theorie werden verschiedene rechtliche und technische Aspekte sowie die Umweltbedingungen erklärt. Damit möchte ich euch nicht weiter langweilen, nur so viel: Wer eine Drohne steigen lassen will, sollte vorher auch prüfen, ob gerade Sonnenstürme herrschen. Die können nämlich den Empfang des GPS-Signals stören. Der Praxisteil bestand aus einer eigentlich relativ einfachen Übung: Im ATTI-Modus (also ohne GPS-Unterstützung) mussten wir verschiedene Flugmanöver durchführen, beispielsweise die Drohne im 90-Grad-Winkel gerade halten oder innerhalb von 15 Sekunden landen. Wie gesagt: Eigentlich einfach. Schwieriger wird es allerdings, wenn man gefühlt einem Orkan ausgesetzt wird und es Ende April so kalt ist, dass nach zehn Minuten die Finger steif sind. Da ist es dann schon eine Herausforderung, das Gerät auf Kurs zu halten. Allerdings können Naturgewalten nichts gegen 20 Jahre Videospielerfahrung ausrichten – für irgendwas muss das ja gut gewesen sein. Jedenfalls werden wir, sofern die Bezirksregierung Münster zustimmt, schon bald kommerzielle Drohnenflüge anbieten.

Drohne Foto Multicopter Perspektive Video Kundengewinnung

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