Kein Kiss für Pressemitteilungen

Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Deswegen wechseln wir heute die Perspektive vom Schreiber zum Leser. Als Radiojournalistin lese ich immer mal wieder Pressemitteilungen und jetzt sage ich euch, was mich an so vielen PM nervt und wie IHR es besser machen könnt.

Redakteure haben ohnehin kaum Zeit. Und dann gehen ewig lange Texte ein, möglichst ohne Paragraphen, mit bitte einem einfachen Zeilenabstand. Am besten noch als PDF-Anhang in die Mail, damit wir sinnlos Zeit fürs Konvertieren verschwenden. Das lieben wir! Und auch unsere Kollegen. Deshalb landet sowas direkt im Müll. Wie besser machen? Ganz einfach: Keep it short and simple, kurz K.I.S.S.


Schritt 1: Findet einen kreativen Einstig, um das Interesse des Lesers zu wecken. Nehmen wir an, wir von der Post haben einen neuen Standort. Wie anfangen? „Liebe Interessenten ... ?“ Nein. Besser: „Sie haben den neuen Brief, wir haben die neue Filiale.“


Schritt 2: Stellt euch nicht in epischer Länge vor. Die Pressemittelung ist kein Firmenprofil. Kommt direkt zur Sache: Was ist neu? Was wollt ihr sagen? Wo ist euer Mehrwert? Erzählt nicht von A bis Z und noch von Tante Luzis Gartenparty. Greifen wir die Postfiliale wieder auf: „Damit die Briefe nicht bis 'morgen' aufgeschoben werden, haben wir den Weg zu unseren Kunden verkürzt und eine neue Filiale in der XY-Straße eröffnet. So können noch mehr Briefe sofort aufgebeben werden.“ Sagt uns, welchen Mehrwert wir haben, sonst kommen wir nicht! Ganz einfach.


Schritt 3: Konzentriert euch auf die wichtigsten Informationen. Versetzt euch in den Leser eurer Zielgruppe: Wer liest das? Was will oder muss derjenige wissen? Was ist aus seiner Sicht interessant? Versteht er mich überhaupt? Bleiben wir bei der Post: Wie groß ist die Filiale? Gibt es neue Dienstleistungen? Unterscheidet sie etwas von anderen Filialen? Wann hat sie geöffnet?


Schritt 4: Den Text auf maximal eine Din-A4-Seite zusammenfassen. Hier ist weniger doch mehr. Denkt an eure eigenen Gewohnheiten: Wir erzählen gerne viel über uns, aber hören ungern viel über andere. Auch der Leser erzählt gerne, hört aber ungern zu. Und Redakteure haben dazu noch wenig Zeit, weil die Medien extrem schnellebig sind – danke, Internet! Wenn es sich anbietet: Das Wichtigste nochmal in einem Satz zusammenfassen. Bleiben wir bei der Post: "Die neue Postfiliale in der Twitter-Straße ist 24/7 geöffnet."


Zu guter Letzt Schritt 5: Adressiert nur an die Leser, die der Inhalt interessieren könnte. Und schickt uns keine „Hot News“, über die wir schon berichtet haben. Das nervt nicht nur uns, sondern auch unsere Kollegen aus den Print-Medien. Und Hand aufs Herz: Ist euer Anliegen wirklich so wahnsinnig wichtig, dass ihr es UNBEDINGT mitteilen müsst?  


Fazit: Fasst euch kurz, erstellt kein Firmenprofil, bietet uns Mehrwert (und nur, wenn wir die Zielgruppe sind). Und seid ehrlich: Ist das eine Pressemittelung wert? Seid uns eine Hilfe bei der Recherche, wir haben sowieso wenig Zeit. Und achtet auf die Formatierung. So viel muss sein.
In dem Sinne: KISSES vom Radio!


Mein Name ist Naima Shaheen und studiere Anglistik und Geschichte im 6. Fachsemester. Nebenbei arbeite ich seit über einem Jahr für den Radiosender Hertz 87.9. als Moderatorin und Redakteurin und seit einiger Zeit als freie Journalistin beim Westfalen-Blatt. Manchmal moderiere ich auch für die Sendung Campus TV. Um meine Kenntnisse zu verbessern und einen weiteren Bereich der Medienbranche kennenzulernen, absolviere ich ein sechswöchiges Praktikum bei AD HOC.

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