Automotive und AR: Immer öfter unterwegs in der erweiterten Realität

Autohersteller und Zulieferer der Automotive-Branche setzen immer wieder neue Trends in Sachen Technik. Das gilt für Produktfeatures und Fertigungsprozesse ebenso wie für neue Wege in Kommunikation und Werbung. So wird Augmented Reality (AR) nach einem erstem Hype vor einigen Jahren und einer Phase der Konsolidierung heute nicht nur in der Entwicklung genutzt. AR kommt zunehmend auch in der Öffentlichkeitsarbeit, der Mitarbeiterschulung und im Service zum Einsatz.

Als IKEA 2013 seinen Katalog mit Augmented-Reality-Anwendungen aufmöbelte und beim Endkunden für Aufsehen sorgte, „kurvten“ die Autohersteller in ihren Entwicklungsstudios bereits seit Jahren durch die neue Dimension der erweiterten Realität. Produktpräsentationen auf Messen setzten effektvoll Visualisierungen via Tablet oder Smartphone ein. Im Service und bei Mitarbeiterschulungen wurden AR exponentielle Wachstumssprünge prophezeit. Daten-Brillen wie Google Glass befeuerten die Phantasie. Doch auf den Hype folgte vielfach Ernüchterung: Limitierte Datenübertragung, vielfältige Systeme, hoher Aufwand und oft überhöhte Erwartungen bremsten den Durchbruch in der Praxis kräftig aus. Die Macher lernten daraus. Und sie nutzten die Chance zur Konsolidierung. Statt technischer Spielereien rückt nun der Nutzen für Anwender in den Fokus. Daten, Grafiken und Videos lassen sich mit wenigen Klicks integrieren. Selbst die Kosten haben sich auf einem alltagstauglichen Niveau eingependelt.

Gedruckte Informationen werden besser verstanden

Gerade jetzt, da manch eine Branche ausschließlich auf digitale Kommunikationskanäle setzt, entdeckt die Automobilindustrie hochwertige Printprodukte und deren Wirkung wieder. Spektakuläre Fotos, packende Reportagen und die Haptik von hochwertig veredeltem Papier wecken Emotionen. Trotz aller Pragmatik beeinflussen sie die Kaufentscheidung für ein Auto stark. Selbst  E-Commerce-Vorreiter wie Zalando oder Airbnb setzen auf gedruckte Kundenmagazine. In der Meta-Analyse „Power of Print“ haben Experten im Auftrag der Creatura-Initiative über ein Jahr lang mehr als 300 internationale Studien ausgewertet, die sich mit der Werbewirkung von Printmedien und dem Einfluss veredelten Drucks befassen. Das Ergebnis: Papier übt durch die multisensorische Wahrnehmung einen stärkeren Einfluss auf das Gehirn aus. Die gedruckten Informationen werden besser verstanden als beim Lesen am PC. Mit dreidimensionalen Darstellungen lääst sich die Erinnerungsquote sogar verdoppeln, so die Analyse.

Testfahrer wirken lebendig und laden zur Probefahrt ein

Daher bieten sich Augmented-Reality-Anwendungen als Reizpunkt-Verstärker für Print-Produkte an: Vorfreude auf neue Modelle lässt sich durch dreidimensionale Animationen wecken, die quasi aus der Magazinseite „springen“. Testfahrer, abgebildet auf einem Zeitungsfoto, werden via Smartphone lebendig wie in Harry Potters Zauberwelt und laden zur äußerst realen Probefahrt ins Cockpit ein. Ergänzend zu Berichten und Anzeigen werden Service-Informationen, Fotogalerien und Produkt-Konfiguratoren hinterlegt. Die Inhalte können über ein Content Management System (CMS) jederzeit ergänzt, ausgetauscht oder aktualisiert werden. Solche Optionen schaffen nicht nur einen Mehrwert für den Kunden, sondern auch für die Herausgeber der Publikation. Denn die Aktualität und Attraktivität von Imagebroschüren, Flyern, Plakaten, Katalogen und Magazinen steigt enorm.

Nicht nur im Endkunden-Dialog kommt die „erweiterte Realität“ immer öfter zum Einsatz, sondern auch in der Automobil-Produktion und im Service. So setzt der Autohersteller Audi in einem ungarischen Werk auf die Datenbrille Google Glass. Er versorgt seine Mitarbeiterwährend der Montage mit Animationen und kurzen Trainingsvideos. Auch BMW nutzt AR-Brillen. Damit vermittelt der Automobilhersteller den Arbeitern beispielweise neue, spezifische Arbeitsschritte beim Modellanlauf. Für Schulungen werden die Brillen schon seit anderthalb Jahren eingesetzt. Ab Ende 2019 sollen sie auch in der Produktion Einzug halten.

Augmented Reality-Lösungen hinterlassen einen Aha-Effekt

Der Einsatz von Augmented-Reality-Elementen gewinnt für Zulieferer speziell im Service an Bedeutung. Mit detaillierter Visualisierung via Datenbrille kann beispielsweise der Austausch von Verschleißteilen, einzelnen Komponenten oder kompletten Baugruppen erklärt werden. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung spart in der Werkstatt Zeit und vermeidet Fehler.

Mit crossmedialen Produkt- und Service-Informationen können Zulieferer eine Vorreiterrolle besetzen. Im Wettbewerb um Aufträge können sie mit Augmented Reality-Lösungen einen nachhaltiger Aha-Effekt erzielen.

 

Der Artikel ist erschienen in der Beilage zur IAA 2019 im Handelsblatt.

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